hortus picum viridium
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Nisthilfen

Bei "Nisthilfen" denkt man zunächst an Nistkästen für höhlenbrütende Vögel. Sie sind in den verschiedensten Ausführungen im Handel erhältlich. Auf sie soll hier nicht weiter eingegangen werden.

Wer selbst einen Nistkasten bauen möchte, findet Bauanleitungen durch einen Klick auf die hervorgehobenen Stichwörter.

Für Höhlenbrüter  wie Meisen, Kleiber, Sperlinge oder Gartenrotschwanz

Bitte bauen Sie bevorzugt Nistkästen mit ovalem Schlupfloch , um dem selten gewordenen Gartenrotschwanz eine geeignete Unterkunft zu bieten.

Für Halbhöhlenbrüter wie Hausrotschwanz, Grauschnäpper oder Bachstelze

 

Seit ein paar Jahren aktuell:

"Insektenhotels"

Es ist erfreulich, dass das Thema "Wildbienenschutz" so populär geworden ist, dass selbst führende Discounter Nisthilfen für Insekten in ihrem Sortiment führen. Leider werden fast alle im Handel erhältlichen Produkte dem Anspruch der potenziellen Bewohner nicht gerecht. 

 

 

Ein gravierender Fehler, den fast alle dieser Produkte aufweisen, ist, dass Baumscheiben verkauft werden, bei denen ins Stirnholz gebohrt wurde. Diese reißen nach kurzer Zeit ein. Das hat zur Folge, dass Feuchtigkeit eindringen kann und die Brutzellen der Wildbienen von Pilzen befallen werden und die Larven absterben.

Was gut gemeint war, schadet am Ende den Tieren, denen man helfen wollte.

 

 

 

 

 

 

Auch dieser Lochziegel erfüllt seinen Zweck nicht. Es gibt keine Bienen oder Wespen, die Hohlräume mit so großen Öffnungen besiedeln. Als Halterung für Bambusröhrchen allerdings wäre er eine optische Auflockerung für eine Nistanlage.

 

Kiefernzapfen oder Stroh, die häufig neben angebohrten Baumscheiben in den angebotenen Insektenhotels integriert sind, dienen nur der Optik. Für keine Bienennart sind sie als Brutstätte geeignet.

 

 

 

Wie kann man es besser machen ?

Indem man die Natur als Vorbild nimmt.

Natürlicherweise dienen Fraßgänge von Käfern in abgestorbenem Holz denjenigen Bienen und Wespen als Brutstätten, denen wir mit unseren "Hotels" helfen möchten. Diese Fraßgänge werden immer durch die Rinde, also quer zur Holzfaser, angelegt. (Stirnholz gibt es erst, seit der Mensch die Säge erfunden hat). Wenn wir also für unsere Bohrungen gut abgelagertes Hartholz wie Esche oder Eiche verwenden und die Bohrlöcher nicht dort setzen, wo man die Jahresringe des Baumes sieht, erzielen wir die besten Resultate.

Detaillierte Informationen zum Thema, inklusive einer Auflistung aller Arten, die mit einer Nisthilfe unterstützt werden können, findet man auf der website des Naturwissenschaftlers und Wildbienenforschers Dr. Paul Westrich. 

 

 

Bienen sind "Sonnenanbeter". Die Ausrichtung der Nisthilfen nach Süden ist deshalb eine zwingende Voraussetzung für eine reiche Besiedlung !

Selbstgebaute Nisthilfe für Wildbienen

Angenommen werden Hohlräume mit einem Innendurchmesser zwischen  2 und 10 mm. Bitte sauber bohren und ggf. mit Schleifpapier nacharbeiten, dass die Löcher keine Ausfransungen aufweisen. Das ist deshalb so wichtig, weil die Bienen zur Pollen- und Eiablage rückwärts in die Höhle kriechen. An kleinen Splittern könnten sie sich hierbei leicht ihre empfindlichen Flügel verletzen.

Weil die Bienen, denen wir mit angebohrtem Holz helfen wollen, viele Brutzellen hintereinander anlegen, sollten für die Bohrungen extra-lange Bohrer von 12 - 15cm Länge benutzt werden.

 

Alle Nistgänge sollen hinten verschlossen sein. Also das Holz nicht ganz durchbohren und die Bambusröhrchen hinter einem Knoten absägen. Die Bambustängel sollten fixiert werden, weil sie sonst von Meisen oder Spechten herausgezogen werden können, die gerne ihren Speisezettel um Bienenlarven ergänzen.

 

Wesentliche Elemente meiner hier abgebildeten Nisthilfe sind halbierte Hohlstrangfalzziegel, Restabschnitte von Terassendielen aus Hartholz und Bambusröhrchen, die in hohlen Baumstamm-Abschnitten oder in einem Lochziegelstein fixiert sind.

 

Die morschen Holzstücke im unteren Bereich sind nicht angebohrt. Hier siedeln sich in erster Linie solitäre Grab- und Wegwespen an, die ihre Brutröhren selbst aushöhlen. Im Gegensatz zu den Bienen, die Pollen und Nektar als Proviant für die Larven eintragen, bestücken die hier wohnenden Wespen ihre Brutkammern mit Spinnen, Blattläusen oder Raupen.

 

 

 

 

 

Wer nicht selber bauen sondern eine artgerechte Nisthilfe für Wildbienen kaufen möchte, findet beim

 

Naturschutzcenter

 

tolle Angebote.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Im nebenstehenden Bild sind die Mitte Mai bereits stark entwickelten Larven von Mauerbienen zu erkennen.

 

Spezielle Nisthilfen, bei denen man wie hier im Bild in's Innere der Brutröhren schauen kann, hat der

 

Wildbienenschreiner

 

im Angebot.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wichtig zu wissen:  

...die "Betten" der Hotels sind, selbst bei richtiger Bauausführung,  nur für eine Minderheit attraktiv.

 

Von den über 500 einheimischen Wildbienenarten nehmen nur etwa 5 % angebotene Nisthilfen an, der Rest baut sich die Brutstätte selbst --- in erster Linie im Boden.

 

Sie sind darauf angewiesen, dass es Areale mit keinem oder nur spärlichem Bewuchs gibt, die nicht beackert oder umgegraben werden.

 

Im Bild sehen wir eine Furchenbiene beim Polleneintrag in ihre Erdhöhle.

 

 

 

Außerdem:

...die angebotenen Hotels bieten nur "Betten". Aber was ist mit der "Küche" ?

  

 

Damit der "Hotelbetrieb" funktionieren kann, muss auch das "Catering" stimmen, sonst bleiben die Hotelgäste weg. Vor allen Dingen profitieren von einem sachkundig gewählten Blütenangebot alle Bienenarten, nicht nur die 5% "Hotelgäste".

 

Also: Wer den Bienen wirklich helfen will, begnügt sich nicht mit der Bereitstellung von ein paar "Betten", sondern er legt sein Hauptaugenmerk auf eine reichhaltige "Speisekarte".

 

"Trachtfließband"

Als Bienenweide oder Bienentracht bezeichnet man Pflanzen, die besonders reichhaltig Nektar und Pollen erzeugen. Wenn die ganze Vegetationsperiode von Februar bis Oktober abgedeckt wird, spricht der Imker vom Trachtfließband. Wenn wir den Wildbienen helfen möchten, sollten wir bei der Pflanzenwahl darauf achten, dass es in unserem Garten von Februar bis Oktober Nektar und Pollen zu holen gibt. Besonders Frühblüher wie

Schneeglöckchen, Krokus ,Huflattich,Lungenkraut und Blaustern etc.

spielen für schon früh fliegende Hummeln und Bienen eine überlebenswichtige Rolle.

 

 

 

Einige Frühblüher, die ihre Besucher bereits zwischen Februar und April mit Nektar und Pollen versorgen:

Das Schneeglöckchen spendet bereits im Februar dieser Honigbiene Nektar
Persischer Ehrenpreis mit rotpelziger Sandbiene
Traubenhyazinthe mit gehörnter Mauerbiene (Männchen)
Rote Taubnessel mit gehörnter Mauerbiene
Lungenkraut mit Frühlingspelzbiene (Männchen)
"Kätzchen" der Salweide mit Wiesenhummel
Aschgraue Sandbiene auf Schlehe
Frühe Langhornbiene auf Zaunwicke
Pelzbiene Anthophora retusa an purpurroter Taubnessel

 

Der verlinkte Trachtkalender kann dabei helfen, sich einen Überblick zu verschaffen, welche Pflanzen geeignete Pollen- und Nektarspender sind und wann sie blühen.

 

Buchempfehlungen:

Das nebenstehende Büchlein richtet sich an alle Gartenbesitzer, die gerne die in unserer Nähe lebenden Mitgeschöpfe unterstützen möchten.

 

 

Mehr zu über dieses Buch...

 

 

 

 

 

 

 

Neben bestechenden Bildern enthält dieses Buch alles Wissenswerte über Wildbienen. Wie sie ihre Brut aufziehen, welche Nahrungspflanzen sie benötigen und wie wir einigen von ihnen helfen können. Es bringt aber auch sehr deutlich zum Ausdruck, wie stark gefährdet diese Tiergruppe durch Landschaftsverbrauch und die moderne Form der Landwirtschaft ist.

 

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Artenvielfalt bewahren im eigenen Garten. Verantwortlich für den Inhalt: Martin Herbst